Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

UN-Resolution „Global Geodetic Reference Frame for Sustainable Development (GGRF)” verabschiedetTypNachricht

Datum 27.02.2015

Das BKG beteiligt sich seit 2011 bei der von den Vereinten Nationen (VN) eingerichteten Organisation mit Mandat des Wirtschafts- und Sozialrates der VN (ECOSOC – Economic and Social Council): dem „UN Committee of Experts on Global Geospatial Information Management (UN-GGIM Committee)”. Wichtige Themen bei UN-GGIM sind die Integration von statistischen und geographischen Informationen, insbesondere in ihrer Bedeutung für die Messung von Entwicklungsfortschritten im Rahmen der künftigen Post-2015-Entwicklungsagenda der „UN Sustainable Development Goals“.

Die Resolution UN-GGIM „Global Geodetic Reference Frame for Sustainable Development (GGRF)” wurde am 17.11.2014 vom ECOSOC angenommen. Am 26.02.2015 wurde die Resolution von der VN-Generalversammlung verabschiedet. Die Pressemitteilung finden Sie hier:
UN General Assembly urges the sharing of geospatial data to benefit People and Planet (PDF, 13KB)

Zu den Hintergründen der UN-GGIM GGRF-Initiative

Alle Technologien, Produkte und Entwicklungen zur Positionierung, Georeferenzierung und Navigation basieren heutzutage auf globaler Infrastruktur erdgebundener und satellitengestützter Technik. Die Funktionsfähigkeit dieser Technologien erfordert ein Netzwerk internationaler Kooperation von staatlichen Institutionen, die sowohl die zuverlässige permanente Verfügbarkeit der Basiselemente sicherstellen, aber auch die Fortentwicklung gewährleisten. Die wesentlichen Basiselemente sind Satellitennavigationssysteme (GPS, GLONASS, Galileo, Beidou), globale geodätische Referenzsysteme und -netze sowie geodätische Dienste, die permanent nach international vereinbarten Regeln und Standards Daten und Informationen Nutzern bereitstellen. Der Betrieb der Satellitennavigationssysteme ist durch staatliche Programme langfristig abgesichert. Die Internationale Assoziation für Geodäsie (IAG), als Teil der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik (IUGG), hat seit Beginn ihrer Gründung die Aufgabe der Definition und Realisierung der geodätischen Referenzsysteme übernommen. Als internationale wissenschaftliche Organisation kann allerdings die IAG nur bedingt eine nachhaltige Sicherstellung der erforderlichen Komponenten gewährleisten und ist auf die freiwilligen Beiträge der beteiligten Institutionen angewiesen.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Das BKG hat mit dem BGeoRG den gesetzlichen Auftrag erhalten, an bilateralen und multilateralen Arbeiten zur Einrichtung und Pflege globaler geodätischer Referenzsysteme und -netze sowie der Fortentwicklung der eingesetzten Mess- und Beobachtungstechnologie mitzuwirken. Dieses ist vergleichbar mit dem Auftrag an die Physikalisch-Technische Bundesanstalt durch das Zeitgesetz.

In der Internationalen Meterkonvention sind die Anwendungen der SI-Einheiten geregelt, aber auch die erforderlichen organisatorischen Strukturen sowie Rechte und Pflichten der Unterzeichnerstaaten. Derartig völkerrechtlich verbindliche Regelungen gibt es für den Raumbezug nicht. Die ursprünglichen Staatsverträge Preußens mit deutschen und nichtdeutschen Staaten wurden nach dem Ersten Weltkrieg aufgehoben. Seitdem operiert die IAG als wissenschaftliche Organisation im Bereich der Geodäsie.

Technisch/technologische Aspekte

Die geodätische Infrastruktur, bestehend aus geodätischen Referenzstationen, Daten- und Analysezentren, Providern für die Produkte, erfordern ein international koordiniertes verbindliches Zusammenwirken von Institutionen und Staaten, die eine langfristige Sicherstellung der Dienste gewährleisten.

Um die globalen Veränderungen des Erdkörpers zu erfassen und geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensgrundlage der Menschheit zu schaffen, bedarf es einheitlicher langzeitstabiler geodätischer Referenznetze. So kann der Meeresspiegelanstieg von wenigen Millimetern pro Jahr nur erfasst werden, wenn ein stabiler Raumbezug über einen langen Zeitraum global mit höherer Genauigkeit realisiert ist. Dafür sind geodätische Referenzsysteme für Lage, Höhe und Schwere global mit Millimetergenauigkeit erforderlich. Gleichzeitig ist der globale Referenzrahmen auch die Grundlage für den Betrieb der Satellitennavigationssysteme sowie regionale und nationale Referenzsysteme und –netze, wie das Europäische Terrestrische Referenzsystem (ETRS89), welcher die Basis für INSPIRE-Daten bis hin zum deutschen Kataster ist.

Mit der VN-Resolution GGRF soll der internationalen Gemeinschaft die Bedeutung geodätischer Infrastrukturen deutlich gemacht werden und helfen, über geeignete Kooperationen langfristige Entwicklungen sicherzustellen.