Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Europäische und globale Schwerereferenzsysteme

Europäisches Schwerereferenzsystem

Im Zusammenhang mit der politischen und wirtschaftlichen Annäherung Europas wurden bisher als geheim eingestufte gravimetrische Daten auch in Zentral- und Osteuropa frei verfügbar. Die Differenzen zwischen den unterschiedlichen Schwere-Referenzsystemen in den Ländern dieser Region sind jedoch so groß, dass davon sowohl Geoidmodelle als auch das nationale Höhenreferenzsystem entscheidend beeinflusst sein können. Durch absolute Schweremessungen mit fünf Geräten auf 17 Stationen in 12 Ländern wird ein einheitlicher Schwerestandard eingeführt. An dem Projekt UNIGRACE (Unification of Gravity Systems in Central Europe - Vereinheitlichung der Schweresysteme in Mitteleuropa) waren Institutionen aus 12 Ländern beteiligt.

Im Projekt wurde eine enge Zusammenarbeit zwischen den mit Absolutgravimetern ausgestatteten Ländern (Deutschland, Finnland, Frankreich, Österreich und Polen) und den Ländern mit Relativgravimetern (Bulgarien, Tschechische Republik, Ungarn, Italien, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Kroatien) erzielt, die sich auf die Auswahl und Vorbereitung der Referenzstationen, die Durchführung der Messkampagnen sowie den Anschluss der nationalen gravimetrischen Netze bezog. Die Stationen wurden so ausgewählt, dass sich in jedem beteiligten Land mindestens eine Station in einer geologisch stabilen Region befand. Länder mit Zugang zur Meeresküste erhielten eine weitere Station in der Nähe eines Meerespegels. Hieraus ergab sich eine Gesamtzahl von 17 Stationen, deren Schwerewerte absolut bestimmt wurden. Die Europäische Kommission förderte das Projekt im Rahmen ihres INCO/COPERNICUS-Programms.

Globales Schwerereferenzsystem

Internationale Gravimetervergleiche

Durch die Einbindung in die internationalen Vergleichskampagnen beim Bureau International des Poids et Mesures (BIPM) in Sevres (Frankreich) wurde der Anschluss an das Internationale Schwerereferenzsystem geschaffen. Deutschland trat der internationalen Meter-Konvention im Jahre 1875 bei. Mit Vergleichsmessungen der Absolutgravimeter wird die Anbindung an das im Jahre 1960 von der elften Generalkonferenz über die Maßeinheiten und Gewichte eingeführte Internationale System der Einheiten (SI) verwirklicht. Das BKG nimmt seit 1994 regelmäßig mit seinem Absolutgravimeter FG5-101 an den internationalen Vergleichen der Absolutgravimeter teil.

Regionale Vergleichsstationen für Absolutgravimeter

Zusätzlich zu den internationalen Vergleichen für Absolutgravimeter beteiligt sich das BKG auch an regionalen Vergleichen im europäischen Raum. Die beiden Gravimeterstationen in Wettzell und Bad Homburg wurden zu Regionalen Schwerevergleichsstationen ausgebaut. Die Stationen bieten die Möglichkeit zu genauen Vergleichsmessungen von Absolutgravimetern, und durch die Kombination der Absolutschweremessungen mit den kontinuierlichen Registrierungen der Supraleitenden Gravimeter lässt sich die Zuverlässigkeit der Vergleiche weiter verbessern.

AGrav (Internationale Datenbank für Absolutschweremessungen)

Durch den Aufbau einer Internationalen Datenbank für Absolutschweremessungen (AGrav-Datenbank) unterstützt das BKG die internationale Kooperation auf dem Gebiete der Absolutschweremessungen und die Schaffung eines transparenten Internationalen Schwerereferenzsystems. Der Betrieb der Datenbank erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem BGI (Bureau Gravimétrique International), dem Internationalen Gravimetrischen Büro in Toulouse (Frankreich), und zählt damit zu den Services der IAG und des Internationalen Schwerefelddienstes. Sie wird an beiden Institutionen in identischer Weise vorgehalten und gegenseitig gespiegelt.

GGP (Global Geodynamics Project)

Mit den Beobachtungsreihen der vier Supraleitenden Gravimeter des BKG in Wettzell, Bad Homburg, Medicina (Italien) und Concepcion (Chile) trägt das BKG zum internationalen Dienst des "Global Geodynamics Project". Die Messdaten aller Stationen werden im Routinebetrieb überprüft, vorverarbeitet und dann als Rohdaten und als korrigierte Datensätze in die entsprechende GGP-Datenbank (http://www.eas.slu.edu/GGP/ggphome.html) eingestellt.