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500. Geburtstag von Gerhard Mercator – so kommt die Erdkugel auf die Karte

Datum: 05.03.2012

Schon immer haben Menschen ihre Umgebung in Bildern und auch Karten festgehalten. In früheren Jahrhunderten entstanden von einzelnen Regionen Karten, z. B. in der eigenen Heimat oder durch Entdeckungsreisen, die nach und nach immer größere Teile der Erde abbildeten. Mercator war schon im 16. Jahrhundert bekannt für seine Karten und Globen. Darüber hinaus entwickelte er eine einheitliche (winkeltreue) Projektion der Erdkugel auf ein ebenes Papier – die Mercator Projektion. Heute – am 5. März 2012 – feiern wir seinen 500. Geburtstag.

Während des 18. und 19. Jahrhunderts wurde die Landesvermessung und damit auch Kartenherstellung zunehmend eine staatliche Aufgabe. Wurden früher Karten auf Papier abgebildet, stehen in unserer heutigen Informationsgesellschaft digitale Karten, d. h. Karten auf dem Rechner, im Vordergrund. Diese digitalen Informationen sind sogenannte Geodaten. Sie beschreiben – wie auch die analogen Karten – die Landschaft (Topographie) oder Grundstücke. Sie werden mit vielfältigen weiteren Informationen, wie Klima, Verkehrsinformationen oder der Wirtschaftsstruktur, verknüpft. So geben sie zu den verschiedensten raumbezogenen Fragen auf einfache Weise bedarfs- und nutzergerechte Antworten.

Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) nimmt dabei auf der Ebene des Bundes eine grundlegende Rolle ein. Zum einen bietet es sogenannte geotopographische Referenzdaten an. Dies sind beispielsweise digitale Karten, digitale Landschaftsmodelle, digitale Luftbilder oder andere digitale Daten mit Raumbezug. Zum anderen stellt es ein international abgestimmtes Koordinatensystem als einheitlichen Raumbezug für das gesamte Bundesgebiet bereit, ein sogenanntes geodätisches Referenzsystem.

Aufgrund des Föderalismusprinzips beruhen viele Arbeiten des BKG auf Kooperationen mit den entsprechenden Behörden der Bundesländer. Das BKG ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern mit Hauptsitz in Frankfurt am Main und Außenstellen in Leipzig und Wettzell im Bayerischen Wald. Es ist ein modernes Kompetenzzentrum des Bundes, in dem Experten aus der Geodäsie, der Kartographie, dem Geoinformationswesen, der Informatik und der Geographie wirken. Auch das BKG hat 2012 einen runden Geburtstag: Das 60jährige Jubiläum wird mit einem Tag der offenen Tür am 10. und 11. August 2012 gefeiert.

Mehr denn je ist es heute erforderlich, den Raumbezug mit geotopographischen Referenzdaten sicherzustellen. Das kürzlich verabschiedete Bundesgeodatenreferenzgesetz (BGeoRG) bildet hierfür die Grundlage. Es wird dazu führen, dass im BKG ein Dienstleistungszentrum für geodätische Referenzsysteme und geotopographische Referenzdaten eingerichtet wird. So kann das BKG noch stärker auf die Interessen und Bedarfe seiner Kunden eingehen.

Die Arbeiten zum Raumbezug orientieren sich zunehmend am kommenden europäischen Satellitenpositionierungssystem Galileo. Zentrale Aktivitäten des BKG sind auf die nationalen und internationalen Geodateninfrastrukturen ausgerichtet, insbesondere die GDI-DE (Geodateninfrastruktur in Deutschland). Das Ziel der Geodateninfrastruktur ist es, Geodaten organisations- und grenzübergreifend über das Internet möglichst einfach austauschen und nutzen zu können. Aktuell steht die Entwicklung des GeoportalDE vor dem Abschluss, das am 06.03.2012 vom Bundesminister des Innern, Herrn Dr. Hans-Peter Friedrich, auf der Messe CeBIT freigeschaltet wird.

Auf europäischer und internationaler Ebene vertritt das BKG fachliche Belange des Bundes und bildet somit eine Schnittstelle zu den vergleichbaren europäischen Vermessungsinstitutionen. So ist das BKG auch Mitglied von EuroGeographics, dem Zusammenschluss der nationalen Vermessungs- und Katasterverwaltungen von Europa. In diesem Rahmen wirkt das BKG einerseits beim Aufbau geotopographischer und thematischer Datenbanken mit, zum anderen ist der grenzübergreifende Informationsaustausch essentiell für die Bereitstellung interoperabler, d. h. leicht miteinander kombinierbarer Geodaten.

Mit verschiedenen Entwicklungsvorhaben, wie z.B. dem Projekt EuroGeoNames, das die offiziellen geotopographischen Eigennamen aller europäischen Orte und Landschaftsobjekte in mehreren Sprachen bereitstellt, trägt das BKG auch zum Erfolg von ESDIN bei, dem European Spatial Data Infrastructure Network. Bei diesem Projekt werden Geodaten unterschiedlicher Auflösung aus verschiedenen Themenbereichen durch die Entwicklung webbasierter Dienste zusammengeführt.

Aufgrund des technologisch bedingten globalen Charakters der heutigen räumlichen Bezugssysteme ist das BKG auch international im Rahmen der Internationalen Assoziation für Geodäsie (IAG) aktiv. Einen wesentlichen messtechnischen Beitrag hierzu leistet das BKG mit dem Geodätischen Observatorium Wettzell im Bayerischen Wald. Es unterhält darüber hinaus das Zentralbüro des IERS, des Internationalen Dienstes für die Erdrotation und die Referenzsysteme. Zudem ist der Präsident des BKG aktueller Vorsitzender der Globalen Geodätischen Beobachtungssystems GGOS.

In diesem Sinne begeht das BKG heute auch den ersten Tag der europäischen Vermessung und Geoinformation.



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