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Pressemitteilung: Erster Arbeitstag von Prof. Dr. Hansjörg Kutterer als neuer BKG-Präsident

Datum: 02.05.2011

Den frisch ernannten Präsidenten Prof. Hansjörg Kutterer erwarten an seinem ersten Arbeitstag im Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) nicht nur viele neue Herausforderungen und unbekannte Gesichter, sondern, als kleiner Ausgleich, auch das wohl schönste Büro der Bundesverwaltung. Das BKG, obere Bundesbehörde für alle Belange der Kartographie und der Geodäsie (Wissenschaft der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche) residiert in der historischen Villa Mumm, einst Heim des Champagnerbarons Hermann Mumm von Schwarzenstein. Prof. Kutterer übernimmt das Präsidentenamt in der historischen Stätte in Frankfurt/M. von Prof. Grünreich, der nach 12 Jahren an der Spitze des BKG in den wohlverdienten Ruhestand geht. Für den ehemaligen Leiter des Geodätischen Instituts Hannover Prof. Kutterer gibt es viel zu tun. Wir fragen ihn heute, wie er das Bundesamt im digitalen Zeitalter führen möchte.

 

Herr Präsident, wo liegen nach Ihrer jetzigen Einschätzung die derzeitigen Herausforderungen für das BKG?

Ein wesentliches Thema, das ich weiter voranbringen möchte, ist der Aufbau von nationalen und auch supranationalen Geodateninfrastrukturen, also von Netzwerken, die fachübergreifend Zugang zu den verfügbaren Geodaten liefern und sie über ein Portal im Internet sowohl für fachliche Nutzer als auch für die allgemeine Bevölkerung zugänglich machen. Parallel dazu werden auf europäischer und globaler Ebene Beobachtungssysteme wie GMES und GGOS eingerichtet, die eine schnelle und qualitativ hochwertige Erfassung von Geodaten für verschiedenste Zwecke, beispielsweise im Umweltbereich, ermöglichen. Auf beiden Gebieten leistet das BKG wichtige Unterstützung. In enger Zusammenarbeit mit den Partnereinrichtungen garantiert das BKG zudem, dass dauerhaft die für die Bundeseinrichtungen erforderlichen Geobasisdaten, also grundlegende amtliche Geodaten z. B. zur topographische Karten, in hoher Qualität zur Verfügung stehen. Aufgrund seines Auftrags, seiner internationalen Rolle und der fachlichen Expertise seiner Mitarbeiter nimmt das BKG hierbei eine Schlüsselposition ein.

 

Was sind Ihre Ziele als neue Leitung?

Mir ist zunächst wichtig, die Kernaufgaben des BKG weiterhin effizient und verlässlich zu erfüllen. Dabei spielen sowohl das nationale und internationale Beziehungsgefüge als auch die Veränderungen der technologischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eine große Rolle. Ich möchte sicherstellen, dass das BKG seinen Herausforderungen im digitalen 21. Jahrhundert gerecht wird. Als Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum des Bundes soll es innovative Beiträge zur Modernisierung der Bundesverwaltung leisten. Daher ist eine der wichtigsten Aufgaben des Bundesamtes, die Abläufe zur Bereitstellung von Geoprodukten über Dienste und Portale im Internet zu verbessern. Dabei geht es mir darum, die Daten für die Nutzer einfacher zugänglich zu machen und sie in gleichbleibend hoher Qualität anzubieten. Das BKG soll seine internationale Führungsposition auf diesem Gebiet weiter wahrnehmen und in den Bereichen Geodäsie und Geoinformation auch kontinuierlich ausbauen.

 

Welche Projekte stehen derzeit an?

Hier sind verschiedene Arbeiten zu nennen, wobei eine Aufzählung bei der Fülle der Themen, mit denen sich das BKG befasst, nicht abschließend sein kann. Ein zentrales Thema meiner Amtszeit wird der Aufbau der Geodateninfrastruktur für Deutschland (GDI-DE) sein, an dem das BKG intensiv mitarbeitet. Hintergrund für den Aufbau ist die EU-Richtlinie INSPIRE, die die grenzübergreifende Nutzung von Geodaten in Europa vereinfachen soll. Die Aufgabe des BKG wird es sein, den Kernbestandteil unserer Geodateninfrastruktur, also alle die Daten, die für die Erledigung gesetzlich vorgeschriebener Aufgaben nötig sind, mit der Nationalen Geodatenbasis (NGDB) fortzuentwickeln und an die Vorgaben der INSPIRE-Richtlinie anzupassen. Zudem muss das GeoPortal.Bund als zentraler Zugangspunkt für die Geodaten des Bundes weiterentwickelt werden.

Von großer internationaler Bedeutung sind die Beiträge des BKG zu der europäischen Initiative GMES für ein unabhängiges europäisches Erdbeobachtungssystem und zum europäischen Satellitennavigationssystem Galileo. Das BKG betreibt drei geodätische Observatorien. Zentrale Aufgaben in diesem Bereich werden die Fertigstellung der modernen TWIN-Teleskope im Observatorium Wettzell im Bayerischen Wald und die Automatisierung des Beobachtungsbetriebes sein. Zudem wird das BKG unter meiner Präsidentschaft das Sekretariat für das GGOS-Interagency Committee (GIAC) übernehmen, das den Aufbau eines globalen geodätischen Beobachtungssystems koordiniert.

 

Welche Aufgaben nimmt das BKG darüber hinaus wahr?

Zu den vielfältigen Aufgaben des BKG zählt die Bereitstellung geodätischer Referenzdaten und Geobasisdaten für Bundeseinrichtungen, Wirtschaft, Wissenschaft und Bürger. Dies bedeutet im Einzelnen die Aufbereitung, Aktualisierung und Bereitstellung von analogen und digitalen topographisch-kartographischen Informationen, die Fortentwicklung der hierfür erforderlichen Verfahren und Methoden sowie die Bereitstellung und laufende Aktualisierung der geodätischen Referenznetze in Deutschland. Dies schließt vermessungstechnische Arbeiten in unseren Observatorien und theoretische Leistungen zur Gewinnung und Aufbereitung von Messdaten mit ein. Außerdem muss das BKG seinen internationalen Verpflichtungen gerecht werden und an globalen Referenzsystemen mitarbeiten, die eingesetzten Mess- und Beobachtungstechnologien fortentwickeln und die deutschen Interessen auf der internationalen Ebene vertreten.

 

Was bietet das BKG konkret an?

Das Produktspektrum des BKG ist sehr vielfältig. Es stellt ein einheitliches räumliches Koordinatensystem für das Bundesgebiet bereit und bietet harmonisierte Geobasisinformationen für Deutschland. Neben klassischen gedruckten Karten, erstellt das BKG digitale Karten und Informationssysteme, digitale Landschaftsmodelle und digitale Geländemodell, die zum Beispiel Geländehöhen und- formen darstellen. Das BKG bietet eine Reihe von Informationssystemen, Webdiensten und Webanwendungen in den Bereichen Geoinformation und Geodäsie, darunter zum Beispiel Web Map Services (WMS), die digitale topographische Karten unterschiedlicher Maßstäbe im Netz bereitstellen. Zu den besonders stark nachgefragten Webanwendungen des BKG zählen der DOP-Viewer, mit dem Sie Deutschland aus der Vogelperspektive betrachten können und der Deutschland-Viewer der Geobasisdaten des Bundes und der Länder online stellt. Beides zu finden unter www.geodatenzentrum.de.

Im Bereich der Geodäsie bietet das BKG weitere Webanwendungen beispielsweise zum Integrierten Geodätischen Referenznetz Deutschlands (GREF). Auf unserer Webseite werden Ihnen unter anderem der Aufbau und die Ausrüstung der Stationen des geodätisches Referenznetzes sowie die verschiedenen Messverfahren beispielsweise für den Empfang von Daten des Globalen Satellitennavigationssystems (GNSS), für Höhe-, Schwere- und Pegelmessungen erläutert.

 

Welche Strategie verfolgen Sie für das BKG?

Die Erfassung und Bereitstellung von Geoinformationen sowie deren Weiterentwicklung ist eine multidisziplinäre Aufgabe. Das BKG kümmert sich seit langem im Rahmen seiner Kernaufgaben gemeinsam mit Partnereinrichtungen um Beobachtungs- und Geodateninfrastrukturen und wird dies auch künftig intensiv weiter verfolgen. Hierzu wird ein offener und konstruktiver Dialog mit den Partnern aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch mit den Nutzern von Geoinformationen gepflegt, intensiviert und gezielt ausgebaut.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Hintergrund:

 

Das BKG ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern. Es ist 1997 aus dem bis dahin bestehenden Institut für Angewandte Geodäsie (IfAG) hervorgegangen und heute ein modernes Kompetenzzentrum des Bundes für Geodäsie, Kartographie und Geoinformationen. Das BKG unterhält das GeoDatenZentrum, geodätische Observatorien und bildet in den Berufen Geomatiker(in) und Feinwerkmechaniker(in) aus. Neuer Präsident ist Prof. Dr.-Ing. habil. Hansjörg Kutterer, der bislang das Geodätische Institut der Leibniz Universität Hannover leitete.

 



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