Pressemitteilung: Ein neues, zentimetergenaues Modell der Höhenbezugsfläche Deutschlands - das GCG2011
Datum: 28.02.2012
Quasigeoid GCG2011
Eine neue zuverlässige und genaue Höhenbezugsfläche für Deutschland ist vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) sowie dem Institut für Erdmessung der Leibniz Universität Hannover (IfE) in einem Modell unter dem Namen GCG2011 (German Combined Quasigeoid 2011) berechnet worden. Die Genauigkeit des Modells wird mit ein bis zwei Zentimetern im Flachland und drei bis vier Zentimetern im Hochgebirge abgeschätzt. Das Modell schließt erstmals den gesamten Bereich der Ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands in der Nordsee ein, die sogenannte 200-Seemeilen-Zone, und stellt damit eine einheitliche Lösung für das gesamte Hoheitsgebiet der Bundesrepublik bereit.
Das GCG2011 löst das bisherige Modell GCG05 ab. Es ist in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) entstanden und mit dem durch den Satellitenpositionierungsdienst der Länder (SAPOS®) bereitgestellten Raumbezug (ETRS89) kompatibel. Damit können aus mit Hilfe von SAPOS® bestimmten geometrischen Höhen (Höhen über einem die Figur der Erde annähernden Referenzellipsoid) die in der Praxis üblichen physikalischen Höhen direkt berechnet werden. Die physikalischen Höhen in Deutschland beziehen sich traditionsgemäß auf einen Bezugspunkt des Meeresspiegels in Amsterdam (Höhen im DHHN92) und sie erlauben eine Aussage darüber, wohin das Wasser fließt. Während zwischen Punkten gleicher physikalischer Höhe praktisch kein Wasser fließt, kann zwischen Punkten gleicher geometrischer Höhe (die mit Hilfe der Satellitendaten bestimmt werden) sehr wohl Wasser fließen. Physikalische Höhen sind deshalb z.B. für den Hochwasser- und Küstenschutz unabdingbar. Die Unterschiede der beiden Höhenarten variieren in Deutschland zwischen 34 m in der Ostsee und 50 m in den Alpen sowie im Schwarzwald. Ursache dieser Variationen ist eine unregelmäßige Massenverteilung im Erdinneren. Da die im GCG2011 modellierte Variation der Höhenbezugsfläche in einem Umkreis von wenigen Kilometern bereits mehrere Zentimeter betragen kann, ist ihre Kenntnis auch für regionale und lokale Vermessungsarbeiten von Bedeutung.
Unter www.bkg.bund.de/gcg2011 sind weitere Informationen erhältlich. Die Webseite bietet zusätzlich die Möglichkeit die Höhenbezugsfläche für jeden Punkt in Deutschland und den angrenzenden Meeresgebieten in Nord- und Ostsee zu berechnen. Das GCG2011 wird über das Geodatenzentrum des BKG (www.geodatenzentrum.de) vertrieben .
Hintergrundinformationen zum BKG
Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie ist eine Behörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern. Es stellt ein einheitliches räumliches Bezugssystem (Koordinatensystem) für das gesamte Bundesgebiet sowie vielfältige Geobasisdaten für Bundeseinrichtungen, öffentliche Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Bürger bereit. Hierfür unterhält es ein GeoDatenZentrum und geodätische Observatorien, auf denen mit verschiedenen Techniken die Bewegungen der Erdsatelliten beobachtet werden. Mit Hilfe weltweit ausgeführter Messungen werden in internationaler Kooperation Satellitenbahnen, Stationskoordinaten und Veränderungen der Erdoberfläche abgeleitet.
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www.bkg.bund.de
Hintergrundinformationen zum IfE
Das Institut für Erdmessung gehört zur Fakultät für Bauingenieurwesen und Geodäsie der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover. Es ist für Lehre und Forschung in den drei geodätischen Kerngebieten Referenzsysteme und Positionierung, Schwerefeldmodellierung sowie Erdrotationsbestimmung verantwortlich und darüber hinaus am Exzellenzcluster QUEST der Leibniz Universität Hannover beteiligt.
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